Veränderung - die Kurve surfen

Interview mit Barbara Mai - Dynamisches Coaching in Veränderungsprozessen

Veränderungen spielen in unser aller Leben eine große Rolle. Oft hadern wir mit Veränderungen. Sie machen uns Angst und lähmen uns. Dabei sind es nicht nur externe Shocks, die uns oft unangenehm oder gar beängstigend sind. Sehr häufig passieren Veränderungen ganz still und leise in uns drinnen bis das, was wir leben nicht mehr zu dem passt, was wir sind oder sein möchten. Dann braucht es eine Veränderung auch im Außen. Diese anzugehen ist oft schwer. Viele Menschen, die sich Veränderung wünschen kennen ihr Bedürfnis gut, wissen aber nicht, wie die konkreten Schritte der Umsetzung aussehen. Barbara Mai von Mainretreat begleiten Menschen in ihrer Lebensmitte in ihren Veränderungsprozessen. Ich habe sie mir als Expertin eingeladen um zu erfahren, wie wir die Kurve der Veränderung surfen können. Babsi sagt nämlich, dass es einfacher ist die Kurve zu surfen, wenn man weiß wie sie aussieht. Ist logisch. Aber wieso Kurve? Wie sieht die denn aus?


Warum haben wir Angst vor Veränderung?


Die Strukturen, die wir uns kennen, lassen uns sicher fühlen. Oft haben wir das Gefühl auf einmal alles zu verlieren, wenn sich etwas ändern. Das ist tatsächlich auch so, wenn wir uns Veränderung wünschen. Wir leben in festen Strukturen, die uns einerseits sichern, auf der anderen Seite festhalten. Uns in diesen Strukturen (bestimmt durch unseren Beruf, unsere Familien und Freunde...) so zu bewegen, dass wir uns dabei wohl fühlen, ist eine große Herausforderung. Kennst Du das Gefühl Dich befreien zu wollen, sei es von deinem Job, sei es von einer Rolle, die Du in Deiner Familie spielst? [Text geht weiter unter dem Video]





Welchen Prozess durchschreiten wir in Veränderungen?


Die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross beschreibt den Prozess, den wir alle durchwandern, wenn wir mit Veränderung konfrontiert sind, anhand dieser Kurve.

Kurve der Veränderung nach E. Kübler-Ross

Die vertikale Achse beschreibt unseren Gemüts- und Leistungszustand. Je höher die Kurve, desto glücklicher und leistungsfähiger sind wir in dieser Phase.

Phase 1: Der Schock

Jede Veränderung beginnt mit einem Schock. Dies kann ein Verlust sein oder eine Nachricht, die vermeintlich alles für immer verändert.

Phase 2: Verneinung

Unmittelbar nach dieser “Überraschung” helfen wir uns für das Erste durch die Verneinung dessen oder durch Abwehr der Veränderung. Vielleicht lässt sich ja noch was drehen und der Status Quo kann aufrecht erhalten werden? Wir laufen auf Hochtouren und unsere Leistungskurve steigt an. Wir suchen nach Gründen und Argumenten, wieso das, was sich jetzt darstellt, eigentlich nicht sein kann oder nicht sein sollte. Wir wehren uns mit Händen und Füßen. Kannst Du Dich an solche Situationen erinnern?

Phase 3: Realisierung

Es kommt der Punkt, an dem wir uns der neuen Tatsache dann doch stellen müssen. Wir geben den Kampf gegen die Veränderung auf, verstehen die Lage und gehen in die Trauerphase. Diese Phase ist sehr wichtig und kann nicht ausgelassen werden.

Phase 4: Resignation

In dieser Phase brauchen wir Ruhe um alles zu verdauen. Wir resignieren und fühlen uns energetisch leer. Diese Phase ist die wohl unangenehmste. Wir wünschen uns schnell da wieder rauszukommen. Wie lange wir dort verharren, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Es hilft allerdings, wenn wir bewusst hinschauen und uns die Zeit nehmen zu erkennen, welche Ängste wir vielleicht noch haben oder welche Unsicherheit vor der Zukunft uns eventuell abhält diese Resignationsphase zu überwinden.

Phase 5: Akzeptanz

Wenn wir es schaffen uns reflektiert und ehrlich dieser Veränderung zu stellen, können wir sie akzeptieren. Wir verstehen, dass dieses Trauertal, das wir gerade verlassen, sehr produktiv ist und viele Geschenke für uns bereit hält. Wenn wir dort hinsehen, beginnen wir den Prozess voll auszuschöpfen und können energiegeladen in die nächste Phase eintreten.

Phase 6: Ausprobieren

Jetzt sind wir euphorisiert und gestärkt durch unsere Erkenntnisse, fühlen uns stark und haben Ideen, die wir ausprobieren möchten. In dieser Phase sind wir auf dem Spielfeld des Lebens, leistungsstark und guter Dinge.

Phase 7: Integration

Mit dieser Phase ist die Veränderung abgeschlossen. Das getestete und für gut befundene Neue wird ins Leben integriert. Es wird normal, eine Gewohnheit.


Wie können wir die Kurve surfen?


Wenn wir uns bewusst sind, was gerade mit uns passiert, wenn wir wissen, wo auf der Kurve wir uns befinden, können wir daran arbeiten bestimmte Phasen zu verkürzen. Zum Beispiel können wir uns dafür öffnen, die Phase der Verneinung zu sehen und zu verstehen und vielleicht schneller die Trauer zulassen. Der Schlüssel dafür, wie produktiv eine Phase für uns ist und wie lange wir dort verweilen, liegt im Bewusstsein. Wenn wir gezielt hinschauen und verstehen, welche Ängste uns festhalten, können wir diese rationalisieren. Wir dürfen sie hinterfragen, verstehen woher sie kommen und uns überlegen, wodurch sie gerechtfertigt sind. Wir können auch schauen, welche Ressourcen und Fähigkeiten wir haben, die diesen Ängsten entgegenstehen und vielleicht sogar irrational machen.


Was kommt nach der Integration der Veränderung?


Manche Menschen bleiben im Trauertal, also zwischen Realisierung und Akzeptanz hängen, weil sie Angst vor dem Ende des Prozesses haben. Was kommt danach. Die Unsicherheit lässt uns manchmal zögern oder gar verharren. Hier ist die Lösung: es wird die nächste Veränderung kommen, die wir durchschreiten dürfen. Aber das alte Thema, das hat sich dann erledigt und integriert. Klingt gut? Dann auf in neue Abenteuer! Oder doch noch mal zurück auf Anfang? Hast Du dort noch was vergessen?





ÜBER BARBARA MAI




Barbara Mai ist Gründerin von Mainretreat, zertifizierte Coach (DBCA), Mutter und Teil einer Großfamilie. Sie begleitet seit 2019 mit Mainretreat Menschen mit Coaching Konzepten in ihren Veränderungen und Visionen. In freier Natur und in Bewegung. Sie bewegt, inspiriert und lässt nicht los in Zeiten des Wandels. Wenn es nach ihr geht, beginnt Wandel im Kopf - in Kohärenz mit dem Herzen - des einzelnen Menschen und geht über die Unternehmen hin zum weltweiten Umweltschutz. Ihr Motto: Let´s do the change!


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