Geschenke Deiner Konflikte

Interview mit Psychologin Nina Grimm

Nina ist Psychologin und mit sehr viel theoretischem Wissen Mutter geworden. In der Praxis als Mutter hat ihr das weniger genutzt als sie es sich vorgestellt hat. Sie ist selbst an in Verhaltensweisen gefallen, die sie nicht wollte. Dies hat sie zum Anlass genommen sich selbst auf eine Forschungsreise zu begeben.


Kennst Du das, dass Du theoretisch so viel weißt, alles gut und richtig machen möchtest, es dann in der Praxis aber nicht umsetzen kannst? In diesem Interview widmen wir uns genau diesem Phänomen und besprechen, wie es möglich ist, dass wir endlich das leben, was wir theoretisch schon wissen.

“Der nachhaltigste Ansatz unsere Welt ein kleines bisschen besser zu gestalten ist einen neuen Umgang mit unseren Kindern zu finden.” (Nina Grimm)


Für Nina ist es ein Herzensanliegen Eltern darin zu unterstützen die vielen guten Ambitionen, die sie meistens haben, umzusetzen. Auch wenn wir Ideen haben, wie wir uns verhalten möchten, fallen wir doch häufig wieder in alte Muster zurück. Manchmal markieren dann bestimmte Episoden in unserem Leben einen Tiefpunkt, an dem wir plötzlich erwachen und diesen Moment zu einem Wendepunkt machen. Vielleicht kennst Du so einen Tiefpunkt, dass Du plötzlich Dein Kind (oder andere nahe Person) anschreist oder ungerecht behandelst, weil Du Dich so unter Druck fühlst und alles aus Dir herausbricht. Dann erschreckst Du Dich plötzlich, weil Du feststellst, dass Du Deine Prioritäten gerade völlig falsch setzt, dass das, was Dir am wichtigsten ist, auf einmal ganz hinten steht und Du Dich fragst warum? [Text geht unter dem Video weiter]


Was kannst Du machen, wenn Du gerade die Verbindung mit Dir verlierst?

Nina erzählt uns im Interview von ihren persönlichen drei Tiefpunkten. Als Psychologin weiß sie, dass in solchen Momenten bis zu 6000 Gedanken pro Sekunde auf uns einströmen. “In unserem Kopf ist es laut.”

Selbstbewusstsein

Die Reaktion, die in solchen Momenten aus uns herausbricht, beschreibt Nina als die Spitze des Eisberges. Das eigentliche Problem, ist der Rest des Eisberges - alles das, was wir nicht sehen, weil es unter Wasser ist. Dies sind die Grundannahmen über uns selbst, die wir - bewusst oder unbewusst - durch unser Leben tragen. Stress- oder Triggermomente wie oben beschrieben können uns dienen um selbstbewusst zu werden, also unserer selbst bewusst, denn das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes. Allein dadurch leisten wir einen wunderschönen, sehr signifikanten Beitrag für die Welt, merkt Nina an. Denn es braucht natürlich selbstbewusste Eltern um selbstbewusste Kinder zu erziehen. Es macht also durchaus Sinn, wenn wir Eltern bei uns selbst anfangen. In diesen Momenten, in denen wir “austicken”, können wir uns also zuerst einmal fragen: “Was brauche ich gerade?” Mit großer Wahrscheinlichkeit ist ein Grundbedürfnis nicht erfüllt. Bin ich müde, hungrig, völlig erschöpft oder ist es etwas anderes? Nina gibt den Tipp, am besten bereits präventiv vorzubeugen, indem wir uns um unsere Bedürfnisse kümmern, bevor das Maß schon voll ist.

Vertrauen

Wir brauchen das Vertrauen in uns selbst - das Vertrauen, dass wir so wie wir sind, genau richtig sind. Nina gibt uns das Bild von einem Rohdiamanten an die Hand, der geschliffen werden darf. Wenn Du Deinen authentischen Weg findest, der zu Dir und Deiner Familie passt, bist zu von äußeren Umständen oder Kommentatoren nicht mehr so abhängig.

Was sind die Geschenke Deiner Konflikte?

Nina bemerkt, dass Konflikte nur dort entstehen können, wo Reibung ist, also genug Nähe da ist. Der Konflikt ist also ein Ausdruck dafür, dass wir Beziehung leben. Sie lädt uns ein unsere Konflikte einmal anders zu deuten - nämlich es als Geschenk zu sehen, dass wir offenbar lebendige Beziehungen führen mit Menschen, die uns nah sind, uns sehen, bereit sind, sich an uns zu reiben. Damit ist das Grundbedürfnis nach Nähe erfüllt.

Ein weiteres Geschenk ist, dass sie uns die Möglichkeit geben uns über unser Wertesystem klar zu werden. Du kannst Dich also fragen, was sind Deine drei bis fünf Werte, die für Dich wichtig sind. Du erfährst in Konflikten aber auch, welche Werte für die anderen wichtig sind. Das gibt die Chance gemeinsame Werte zu definieren und daraus eine neue Konfliktkultur zu etablieren - eine, in der Konflikte nicht durch viele Regeln gelöst werden, sondern durch den Konsens über gemeinsame Werte, die nicht verletzt werden sollen.

Das dritte Geschenk ist die Möglichkeit, dass Du in Konflikten feststellen kannst, welche Themen in Dir berührt werden, die diesen Konflikt tragen. Du kannst also damit Licht auf Deine Grundannahmen bringen. “Da kommt alter Stoff hoch, der noch nicht gelöst ist für Dich. Konflikte schenken Dir die Möglichkeit da noch einmal hinzugucken.” In Deinen Konflikten liegt also Dein Potential persönlich zu wachsen.

Das vierte Geschenk ist, dass ein Konflikt Dir oftmals einen Anlass zur Veränderung gibt. Nina führt an, dass Menschen dann bereit für Veränderung sind, wenn es weh tut. Schmerz motiviert uns intrinsisch - also aus uns heraus - etwas zu verändern.

Was machen die Geschenke mit Dir?


Wenn Du es schaffst diese Geschenke anzunehmen und Dich mit Dir selbst zu verbinden, “mit beiden Füßen im Hier und Jetzt zu sein” - wie Nina es nennt - hast Du die perfekte Grundvorraussetzung Dich für die Welt des anderen zu öffnen. Dein Ego ist dann aus, Deine Triggerpunkte außer Kraft gesetzt, jetzt kannst Du Dich auf Dein Gegenüber einlassen, zuhören, annehmen. Die oben beschriebenen Geschenke anzunehmen sind also eine wunderbare Vorarbeit, die Du leistest um eine konstruktive Konfliktklärung mit Deinem Gegenüber finden zu können.





ÜBER NINA GRIMM




Nina Grimm ist Psychologin mit dem Herzenanliegen Eltern dabei zu unterstützen die Eltern sein zu können, die sie sein wollen. In ihrem Buch Hätte, Müsste, Sollte beschreibt sie, wie es gelingt, das, was wir theoretisch schon wissen, endlich auch zu leben. Mehr über Nina erfährst Du auf ihrer Seite.

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